Landwirtschaftliche Elektrik am Anhänger

Conrad Nachdem ich bislang einmal einen Schlepper neu verkabelte, habe ich den Ruf des Schlepperelektrikers. Das ist natürlich vollkommener Unsinn. Gut, ein wenig Ahnung habe ich auch, aber jedesmal wenn an einem Hänger eine Leuchte nicht funktioniert, muss ich von neuem anfangen zu überlegen, wie Dose am Schlepper und Anschlusskabel beschaltet sind. Um dem Stochern im Nebel ein für alle mal aus dem Weg zu gehen, will ich hier eine Dokumentation zur Pinbelegung und zur planvollen Vorgehensweise erstellen, die hoffentlich auch anderen Traktoristen hilfreich sein kann.

Steckdose am Fahrzeug 12 V / 7-polig N Ausführung ISO 1724

Steckdose


Sollte an einem Hänger ein Problem mit den Leuchten geben, fange ich grundsätzlich an der Zugmaschine mit der Fehlersuche an. Oft genug wurden Stecker und die Deckel der Leuchten entfernt, ohne dass ein Fehler festgestellt wurde. Der Fehler lag dabei bereits an der Steckdose am Schlepper. Deswegen messe ich mit einer primitiven Prüflampe zunächst einmal die Anschlussdose durch. Die Masse hole ich mir beim Messen direkt vom Schlepper, irgendwo findet sich immer eine blanke Stelle am Blech oder der Krafthebeanlage. Damit habe ich mit der Prüflampe mehr Platz in der Dose und die Gefahr eines Masseschlusses wird verringert.
Das obige Bild zeigt die Sicht auf die Anschlussdose des Schleppers. Da ich im Internet mitlerweile die verschiedensten Bezeichnungen für die Pins der Stecker und Dosen gefunden habe, erwähne ich hier nur den Klartext. Auf 12 Uhr sollte sich der Pin für den linken Blinker und auf 6 Uhr der Pin für den rechten Blinker befinden. In der Mitte liegt der Pin für das Rücklicht links. Auf 7 Uhr liegt der Pin für das Rücklicht rechts. Bei eingeschaltetem Licht und eingeschalteter Warnblinkanlage müsste bei den eben erwähnten Pins die Prüflampe leuchten bzw blinken. Im nächsten Schritt prüfe ich die Funktionstüchtigkeit des berüchtigten Pins 31, nämlich der Masse, der befindet sich auf 4 Uhr. Hier kommt man ohne Messgerät allerdings nicht weiter, die Prüflampe ist nicht geeignet. Beim Messen wird ein Kabel des Messgerätes an eine blanke Stelle am Schlepper gehalten, das andere Kabel kommt eben an den erwähnten Pin 31. Hier sollte das Messgerät auf jeden Fall laut und deutlich piepsen, dass heisst, es besteht Kontakt zum Masseanschluss der Batterie.
Die anderen Anschlüsse der Dose sind meist weniger wichtig. Auf 11 Uhr findet sich der Pin für das Bremslicht, hier ist im Normalfall bei der Prüfung ein Kumpel auf den Schlepper zu setzen, der die Bremse tritt. Der auf 1 Uhr liegende Pin für Dauerplus ist nur für Hänger mit integriertem Kühlschrank interessant, den haben allerdings nicht mal wir.
Finde ich bei der Prüfung Fehler, sind weitere Schritte nötig. Leuchten die Lampen am Schlepper korrekt, deutet dies auf Kabelfehler in der Dose hin. Dass heisst, Dose aufschrauben und optische Prüfung vornehmen. Funktioniert schon beim Schlepper eine der Lampen nicht, kann dies an einer schadhaften Sicherung oder an einem Kabelfehler am Sicherungskasten liegen.

Ist die Steckdose in Ordnung, geht die Sucherei bei dem Stecker weiter. Am einfachsten ist es, man schraubt das Ding gleich auf und sieht nach, ob alle Kabel noch fest sitzen. Meist vibrieren sich die Käbelchen lose oder werden von den Chauffeuren abgerissen, da 90 % aller Fahrer am Kabel ziehen und nicht am Stecker selbst. Sind eine oder mehrere Adern lose, hat man die berühmte A-Karte gezogen. Wohin mit den Dingern? Mit Tasten und Fühlen kommt man nicht weit. Hier hilft nur messen, welche Ader welchem Zweck dient. Nach der Farbe der Ader sehe ich schon gar nicht mehr, da ich mittlerweile festgestellt habe, dass im Normalfall die Farbe vom Stecker bis zur Lampe mindestens einmal die Farbe wechseln muss. Das ist wahrscheinlich irgendeine Norm der VDE, damit es der normale Mensch nicht zu leicht hat. Bei fertig konfektionierten Leuchtleisten wird die Verteilung an der zusätzlich angebrachten Dose am Hänger gemacht, spätestens hier wechselt die Aderfarbe scheinbar willkürlich.

Allerdings habe ich nach der ca. 12ten Reparatur einer Lichtleiste doch feststellen müssen, dass es scheinbar eine Norm für die Adernfarbe geben muss. Bei mehreren dieser Lichtleisten konnte ich am Stecker folgendes Farbschema erkennen:

Pin Anschluss Farbe der Ader
1 Blinker links gelb
2 Dauerplus oder Nebelschlussleuchte blau
3 Masse weiß
4 Blinker rechts grün
5 Rücklicht rechts braun
6 Bremslicht rot
7 Rücklicht links schwarz

Eine tückische Falle sind auch zwischengeschaltete Verteilerdosen. Diese sind ein weiterer Grund, die Farbe der Adern einfach zu ignorieren.

Also es hilft nichts, man muss sich am Kabel entlanghangeln und sich schrittweise vorarbeiten. Sind nach der Messung die Kabel in Ordnung, die Lampe leuchtet aber trotzdem nicht, kann die Birne defekt sein. Die sollte natürlich auch getestet werden. So einfach ist es aber selten genug. Viel öfter finde ich die Ursache in korrodierten oder verbogenen Kontakten, das auch bei fast neuen Lichtleisten. Auch hier hilft nur eine optische Kontrolle.

Ich hoffe mit diesem Artikel allen Fahrzeugelektrikern und Landwirten helfen zu können. Wer keinen Bock hat, den ganzen Text zu lesen, sollte sich einfach für 40 Euro eine neue Lichtleiste zulegen. Damit fährt man immer noch billiger, als bei stundenlanger Fehlersuche die Zeit zu verplempern.