Nach ca. acht geführten und ca. acht eingehenden Anrufen und fünf Kilometern Fahrradfahrt war so einigermaßen klar, was
am Sonntag abgeht. Die Telefoniererei lässt keinen Zweifel aufkommen, es ist Heueinfahren angesagt. Das heißt, es gibt
ein klar definiertes Terminraster. Sagen wirs mal so, es sollte zumindest eines geben. Das übliche Problem, wer wann mit
welcher Maschine wo aufzutauchen hat, wird deshalb mit der üblichen Improvisationskunst gelöst und dann heißt es: Ran
an das getrocknete Gras.
Den Schum interessiert das Ganze eher weniger, der macht den Kram den er sich vorgenommen hat völlig unbeeindruckt vom
Rest der Welt und beginnt den Tag auf der Baustelle entlang des Biebergrundes mit Sonnenbaden und Wenden.
Am frühen Vormittag sind dann die Künstler gefordert, die aus dem chaotisch verstreuten Heu geordnete Bahnen bauen müssen.
Das Ganze nennt sich Schwaden oder Zusammenmachen. Ziel der Übung ist es, das Heu auf Maden zu legen, um der Presse möglichst
wenig Fahrerei zuzumuten.
Ein weiterer Vorteil der Geschichte ist es, dass das auf Maden liegende Heu luftig aufgeschichtet wird und damit noch
ein eine Weile trocknen kann.
Der Webmaster geht bei dieser Aufgabe zumeist auf Tauchstation, das Vorgewendemanagement stimmt hier vorne und hinten
nicht. Desweiteren gibt es kaum eine quadratische Wiese. Ständig ist mit irgendwelchen Ecken, Sträuchern und Bäumen zu
rechnen, die beim Zusammenmachen geschickt umkurvt werden müssen. Daher hat das Foto mehr symbolischen Wert als irgendeine
Aussagekraft.
Nun gut, die unglückseelige Zusammenmacherei hat auch einmal ein Ende. Ein untrügliches Zeichen dafür ist die anrollende
Presse. Damit geht der Spaß erst richtig los und die Fahrer der Heugicks werden zum Vorstart gebeten, das Rennen um die
Rundballen wird eröffnet. Der Favorit des Rennens verweilte leider noch in einem Flugzeug auf dem Weg nach Frankfurt,
dennoch konnten einige Starter aufgeboten werden.
Zum Glück hatte die Presse diesmal einiges an Vorsprung heraus gefahren. Die Gefahr, dass jemand mit dem Gick direkt in
die Presse rennt, um nur ja einen Ballen zu erwischen war also eher gering. Auch deutete die Meldeliste eher auf ein gemächliches
Oldtimer-Rennen hin.
An die 40 Ballen galt es von den Wiesen zum Lagerort zu schaffen. Das hört sich nach viel an, ist aber relativ wenig.
Es gab schon mehr. Dafür können wir den lang anhaltenden Winter verantwortlich machen. Zum Ausgleich ist aber diesmal
die Qualität allererste Sahne. Das Zeug hat bislang nicht einen Tropfen Regen abbekommen. Man kann ja auch mal Glück bei
der Wahl der richtigen Wettervorhersage haben. Obwohl sich die drei favorisierten Internet-Wetterdienste für das Wochenende
um den 17. Juni sich diesmal relativ einig waren.
Der große Preis des Kasselgrunds wurde so pi mal Daumen gegen 17:15 Uhr abgewunken. Die reservierte Zeit für die abschließende
Siegerehrung musste allerdings recht knapp bemessen werden. Schließlich galt es noch, die von unseren Ortslandwirten begonnene
Arbeit fertig zu machen.
Wer übrigens wissen möchte, wer den Pokal in die Hand gedrückt bekam, dem sei versichert, beim Rennen rund um die Ballen
gibt es glücklicherweise immer nur Gewinner.
Jetzt da der Winter naht, blicken wir mit Wehmut auf den vergangenen Sommer zurück. War er nicht schön? Wenn ich nur daran denke,
dass jetzt wieder Frieren im ständigen trostlosem Dunkel der Nacht angesagt ist, wünsche ich mir den Sommer zurück.
Gut, auch bei bestem Wetter hat nicht immer alles einwandfrei funktioniert. So manchen Rundballen konnte man mit der Hand aufladen,
aber solche Kleinigkeiten erschüttern uns schon lange nicht mehr. Zumal die 06-er Saison ohne größere Schäden über die Bühne
gegangen ist, den üblichen Verschleiß der Gammelgeräte einmal außer acht gelassen. Komischerweise verreckt immer mal was. Was
aber ums verplatzen immer funktioniert sind die Handys, das heißt, die Rufbereitschaft ist rund um die Uhr gegeben. Ein furchtbarer
Zustand. Man kann sich nicht mal ein Stündchen in die Kneipe verkrümeln, ohne dass das Ding vehement die Aufmerksamkeit auf
sich lenkt, um mitzuteilen, dass unbedingt noch ein Fahrer für was auch immer gebraucht wird.
Der Fischbüchsen Bernhard hat dagegen keine Probleme mit dem Handy. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn er eins hätte.
Aber das nur nebenbei. Statt dessen hatte er diesmal Pech mit einem Wender, der sich nach allen Regeln der Kunst zerlegte und
am Frontlader nach Hause gebracht werden musste.
So ein Maschinenschaden bietet allerdings die willkommene Gelegenheit für ein kurzes Päuschen im kühlen Schatten. Solidarisch
wie wir sind, haben wir dabei geholfen. An dem Wender war vor Ort sowieso nix mehr zu machen.
Der Höhepunkt vom Tiefpunkt war dann allerdings der Trip nach Bieber. Die etwas über 20 Rundballen wurden mit einem enormen
Schlepperaufwand und wahrscheinlich etlichen Flüchen der aufgehaltenen Autofahrer schwer erkämpft. Hoffentlich hat unser Agrarminister
nicht noch mehr Verwandtschaft mit zu pflegenden Wiesen. Ich sags gleich, bei Bieber ist die Grenze erreicht. Weiter zuckel
ich nicht bei einer gemessenen Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h.