Noch vor ein paar Jahren hätte ich nicht gedacht, dass es noch richtige Hufschmiede
gibt. Aber alleine die Tatsache, dass in Kassel bei grober Schätzung momentan
um die 30 Gäule auf den Koppeln stehen, deutet darauf hin, dass der Beruf durchaus
gefragt ist. Die Hufeisen nutzen sich ab oder gehen einmal verlustig, ein neuer Satz
ist dann unbedingt erforderlich. Die Tragzeit der Eisen liegt so ungefähr bei
zwei bis drei Monaten, abhängig von der Anwendung oder Beanspruchung.
Daher war eines Freitags der Hufschmied Sascha Müller im Spessarthaus zu Gast, einen
der Galopper zu beschlagen. Von dem romantischen Bild des am Feuer stehenden Schmiedes
muss man allerdings abkommen. Anstatt der traditionellen Methode, die Eisen in einer
mit glühenden Koks gefüllten Esse zu erhitzen, muss heute ein Gasofen herhalten.
Glück bringen die Eisen sicher dann, wenn man sie nicht beschleunigt am Huf montiert in die Rippen bekommt. Aber bei dem Kandidaten besteht diesbezüglich keine Gefahr. Der "Gauner" lässt das Beschlagen durchaus gelassen über sich ergehen.
Die Hufe werden zunächst einmal wie beim Schneiden der Fingernägel vorbereitet.
Dass heißt, die Hufe werden ausgekratzt, mit einer Hauklinge durch das Wegschlagen
überflüssigen Horns und mit der Hufraspel in eine ansprechende Form gebracht. Die
Eisen liegen dann besser auf und drücken damit wahrscheinlich nicht so sehr.
Danach sucht der Schmied von den vorgeformten Eisen die passenden aus. Dabei gilt es
auf die Lage der Nagellöcher und auch die Länge der Schenkel der Eisen zu
achten. Die Eisen werden dann im Ofen bis zur Rotglut gebracht und am Amboss in Form
gebracht. Das geformte Eisen wird dann zwar noch heiß aber nicht mehr glühend
an den Huf gehalten und aufgebrannt. Dabei kontrolliert der Schmied die Passform des
Eisens und die Auflage am Huf und hat Gelegenheit, die Hufeisen noch zu korrigieren.
Das eigentliche Beschlagen geht recht flott vonstatten, sofern der Gaul mitspielt
und still hält. Sechs bis acht Nägel rein, die rausstehenden Enden der Nägel
abpetzen und was dann noch übersteht mit Spezialwerkzeug in der Hufwand versenken.
Dazu werden kleine Vertiefungen am Nagelende in den Huf eingearbeitet und die Nagelenden
werden umgeklappt.
Vor dem abschließenden Lauftest werden die Hufe noch einmal mit der Hufraspel
bearbeitet, um die letzten Ecken und Kanten zu bügeln.
Interessant sind dann auf jeden Fall die ersten Schritte der Gäule nach der Prozedur. Mit Eleganz hat dies nichts zu tun. Die Tiere stolpern eher durch die Gegend. Der Vergleich mit dem Schritt der meisten Bauern am Kerbmontag gegen Mitternacht ist zwar schon mehrfach ausgereizt worden, trifft aber dennoch zu.